Herzgeräusche leicht verstehen: Die 4 Auskultationsfoki für alle

Man legt das Stethoskop auf einen Thorax, hört zwei dumpfe Geräusche, und die Frage kommt auf: welchen Fokus hört man genau? Die Schwierigkeit liegt nicht in der Anzahl der Foki (nur vier), sondern in der Diskrepanz zwischen der tatsächlichen anatomischen Position der Herzklappen und dem Ort, an dem ihr Klang auf die Thoraxwand projiziert wird. Diese Diskrepanz ist verwirrend, und sie muss gezähmt werden, um die vier Foki der Herzuntersuchung dauerhaft zu memorieren.

Akustische Projektion gegen anatomische Position der Herzklappen

Die klassische Falle besteht darin, eine Klappe dort zu suchen, wo man das Stethoskop anlegt. Die vier Klappen des Herzens sind in einem kompakten Raum hinter dem Brustbein gruppiert. Das Stethoskop direkt auf ihnen zu platzieren, würde nur ein Durcheinander von überlagerten Geräuschen erzeugen.

Was man tatsächlich abhört, ist der Bereich, in dem der Klang jeder Klappe am besten verbreitet wird, getragen vom Blutfluss stromabwärts. Der aortale Fokus befindet sich im zweiten rechten Interkostalraum, weil das in die aufsteigende Aorta gepumpte Blut die Vibrationen nach oben und nach rechts überträgt. Der pulmonale Fokus, symmetrisch, sitzt im zweiten linken Interkostalraum: das Blut fließt zur Lungenarterie, die nach oben und nach links gerichtet ist.

Um die Logik der 4 Foki der Herzuntersuchung gut zu verstehen, merkt man sich dieses einfache Prinzip: jeder Fokus entspricht der Richtung des Blutstrahls beim Verlassen der Klappe, nicht der Klappe selbst.

Die beiden unteren Foki folgen demselben Gedanken. Der trikuspidale Fokus (vierter oder fünfter Interkostalraum, linker Rand des Brustbeins) erfasst den Fluss, der durch die trikuspidale Klappe in den rechten Ventrikel strömt. Der mitrale Fokus (fünfter Interkostalraum, linke Medioklavikularlinie) erfasst die Richtung der Füllung des linken Ventrikels. Die Spitze des Herzens zeigt nach links, und dort hört man die Mitral- am besten.

Kardiologe erklärt die vier Foki der Herzuntersuchung auf einem anatomischen Plakat in einer Arztpraxis

Foki der Untersuchung mit der Z-Zeichnung merken

Es gibt viele Eselsbrücken in Form von Akronymen, aber die meisten beschränken sich darauf, die Foki aufzulisten, ohne räumliche Anhaltspunkte zu geben. Der Ansatz mit einer strukturierten Mindmap in Z-Form bietet eine viel solidere visuelle Verankerung.

Man zeichnet sich mental ein Z auf den Thorax des Patienten:

  • Die obere Linie des Z verbindet den aortalen Fokus (zweiter rechter Interkostalraum) mit dem pulmonalen Fokus (zweiter linker Interkostalraum), von rechts nach links.
  • Die Diagonale verläuft vom pulmonalen Fokus zum trikuspidalen Fokus (linker Rand des Brustbeins, vierter oder fünfter Interkostalraum).
  • Die untere Linie verläuft vom trikuspidalen Fokus zum mitralen Fokus (fünfter Interkostalraum, linke Medioklavikularlinie), wobei sie sich vom Brustbein zur Herzspitze entfernt.

Das Z trennt natürlich die beiden Etagen des Herzens: oben die sigmoiden Klappen (aortal und pulmonal), unten die atrioventrikulären Klappen (trikuspidal und mitral). Diese Einteilung entspricht der hämodynamischen Logik, Basis oben, Spitze unten, was die Memorierung mit der Anatomie konsistent macht.

Das Z an eine konkrete Übung anpassen

Um diese Zeichnung zu verankern, kann man sie mit einem abwischbaren Marker auf einem Simulationsmodell oder auf sich selbst vor einem Spiegel zeichnen. Man benennt jeden Punkt laut, während man mit dem Finger darauf zeigt, und beschleunigt dann die Sequenz. Nach ein paar Wiederholungen wird die Bewegung und der Verlauf automatisch, ohne dass man ein Akronym aufsagen muss.

Die Rückmeldungen variieren in diesem Punkt: Einige bevorzugen einen umgekehrten Verlauf (mitral zu aortal, also ein umgekehrtes Z). Die Reihenfolge ist weniger wichtig als die Fähigkeit, die vier Punkte ohne Zögern zu finden.

Was jeder Fokus in der Praxis hören lässt

Die Position zu merken reicht nicht aus, wenn man nicht weiß, wonach man suchen soll. Jeder Fokus hat eine präzise klinische Relevanz.

Am aortalen Fokus sucht man hauptsächlich nach einem systolischen Auswurfgeräusch (Aortenstenose) oder einem diastolischen Geräusch (Aorteninsuffizienz). Am pulmonalen Fokus ist die Logik dieselbe für die pulmonale Klappe, zusätzlich mit der physiologischen Doppelung des zweiten Geräuschs (B2) bei der Inspiration.

Am trikuspidalen Fokus hört man die Geräusche, die mit der trikuspidalen Klappe verbunden sind, oft diskret und verstärkt bei tiefer Inspiration (Rivero-Carvallo-Zeichen). Am mitralen Fokus achtet man auf das Geräusch der Mitralinsuffizienz, holosystolisch, ausstrahlend zur Achsel, oder auf das diastolische Rauschen einer Mitralstenose.

Pflege-Studentin, die die Foki der Herzuntersuchung in einem medizinischen Lehrbuch mit Stethoskop studiert

Um die Hörlogik zusammenzufassen:

  • Die Foki der Basis (aortal und pulmonal) dienen hauptsächlich der Analyse von B2 und den Auswurfgeräuschen.
  • Die unteren Foki (trikuspidal und mitral) dienen hauptsächlich der Analyse von B1 und den Regurgitations- oder Füllgeräuschen.
  • B1, erzeugt durch das Schließen der mitralen und trikuspidalen Klappen, wird besser an der Spitze wahrgenommen. B2, erzeugt durch das Schließen der aortalen und pulmonalen Klappen, wird besser an der Basis wahrgenommen.

Simulatoren und digitale Werkzeuge zur Verankerung der Foki

Die Wiederholung an einem echten Patienten bleibt unersetzlich, aber die Gelegenheiten für angeleitete Auskultationen sind begrenzt, insbesondere zu Beginn des Studiums. Neueste hochpräzise Simulatoren (wie der Auskultationstrainer mit verbundenem Stethoskop) ermöglichen es, normale und pathologische Herzgeräusche an einem Multi-Fokus-Modell zu reproduzieren.

Das Stethoskop am falschen Ort zu platzieren, erzeugt keinen verwertbaren Klang an diesen Modellen, was dazu zwingt, jeden Fokus genau zu lokalisieren, bevor man irgendetwas hört. Das Feedback ist sofort und korrigiert die Platzierungsfehler in Echtzeit.

Mobile Anwendungen bieten auch Bibliotheken von Herzgeräuschen, die mit jedem Fokus verbunden sind, mit interaktiven Diagrammen. In einigen von ihnen findet man die Mindmap in Z-Form, gekoppelt mit Verständnisfragen zum Unterschied zwischen akustischer Projektion und tatsächlicher anatomischer Lokalisation.

Die Z-Zeichnung, die Trennung von Basis und Spitze, die Regel der Blutflussausbreitung: Diese drei Anhaltspunkte reichen aus, um jeden Fokus ohne Zögern zu finden. Zu verstehen, warum der Klang dort ankommt, ist besser, als sich zu merken, wo er ankommt, denn das Denken widersteht dem Vergessen, nicht das am Tag vor einer Prüfung gelernte Akronym.

Herzgeräusche leicht verstehen: Die 4 Auskultationsfoki für alle